Das Jahr 815 gilt als Gründungsdatum Hildesheims, genauer als Gründungsdatums des Bistums Hildesheims, auch wenn keine Gründungsurkunde über die Errichtung des Bistums Hildesheims vorliegt.
Hildesheim lag an einem Schnittpunkt zweier bedeutender mittelalterlicher Handelswege und lag überdies an einem strategisch interessanten Übergang über die Innerste, und sicherlich war hier auch vorher bereits eine Siedlung vorhanden. Hildesheim wurde damals von Kaiser Ludwig dem Frommen als neuer Bischofssitz ausgewählt. Damit wich Ludwig von den Plänen seines Vaters, Karl dem Großen, ab, der als neuer Stützpunkt für die Zwangsmissionierung Sachsens im 8. und 9. Jahrhundert das damals schon militärisch aufgestellte Elze vorgesehen hatte.
Die genauen Gründe für den Sinneswandel Ludwig des Frommen sind nicht gesichert überliefert. Die Gründungslegende, die „Fundatio“ des Bistums Hildesheim erzählt in einer Version, dass Kaiser Ludwig bei einem Jagdausflug eine Messe halten ließ – sicher um sein Jagdglück zu verbessern, vielleicht auch, um allzu menschlichen Bedürfnissen nachzugehen. Das dabei verwendete Marienreliquiar wurde beim Aufbruch leider vergessen. Als man es einen Tag später holen wollte, war es allerdings untrennbar mit dem Baum, an dem es hing, verwachsen. Auf dieses göttliche Zeichen hin ließ Ludwig an ebendieser Stelle eine Kapelle errichten, aus der später der Hildesheimer Dom werden sollte. Aus dem Baum wurde im Zuge der Überlieferung der 1000-jährige Rosenstock an dem Chor der Domkirche, für den Hildesheim bis heute berühmt ist
Aus der sächsischen Siedlung mit der fränkischen Kapelle wurde im Verlauf der nächsten Jahrhunderte die Stadt Hildesheim, zunächst unter bischöflicher Regierung, später mit eigener städtischer Regierung, die in Auseinandersetzung mit bischöflichen Herrschaftsansprüchen entstand.
Die Rose, primär ein Zeichen für den Bischofssitz, ist also auch ein Symbol für die Stadt Hildesheim, das immer wieder im Hildesheimer Selbstverständnis eine Rolle spielt und vielen Stellen wiederzufinden ist. Hier steht sie für die Entfaltung und Verzweigung der Stadtgeschichte.
Bei der Abbildung handelt es sich um eine Lithographie des Hildesheimer Rosenstockes von Robert Geissler, Berlin, ca. 1870. Sie befindet sich unter der Signatur Best. 951 Nr. 409 im Bestand des Stadtarchivs Hildesheim.
Sabine Boltzendahl
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Literatur: