Eingemeindungen und Gebietsreform – Auswirkungen auf Hildesheim
Die erste Eingemeindung erlebte Hildesheim am 1. April 1911: Damals wurde der Flecken Moritzberg der Stadt angeschlossen. Im folgenden Jahr 1912 wurde dann auch das alte Gut Steuerwald eingemeindet, um welches sich im Laufe der Zeit ein kleines Dorf gebildet hatte. Einen Teil dieses Gebiets benötigte die Stadt für den Bau des Hafens. Drispenstedt und Neuhof wurden im Jahr 1938 eingemeindet. Diese territoriale Ausweitung der Stadt stand im unmittelbaren Zusammenhang mit der Ausweitung der Kriegsindustrie und der Kriegsvorbereitungen.
In den Jahren von 1972 bis 1978 wurden in Niedersachsen die kommunalen Gebietsreformen durchgeführt. Diese basierten auf den Empfehlungen der 1965 eingesetzten „Weber-Kommission“. Diese schlug vor, die Zahl der Landkreise deutlich zu reduzieren und kleinere Gemeinden zusammenzulegen bzw. in größere Städte einzugemeinden. Im Zuge diese Neustrukturierung schloss sich die Gemeinde Ochtersum bereits am 1. Februar 1971 der Stadt Hildesheim an. Am 1. März 1974 kamen so gleich acht bis dato unabhängige Gemeinden zur Stadt Hildesheim, nämlich die Gemeinden Achtum-Uppen, Bavenstedt, Einum, Himmelsthür, Itzum, Marienburg, Marienrode und Sorsum.
Damit wuchs die Bevölkerung der Stadt insgesamt um etwa 13.000 und erstmals auf über 100.000 an – Hildesheim wurde zur Großstadt. Das half allerdings auch nicht, entgegen der Hoffnung der Stadt, die Kreisfreiheit zu behalten. Denn ebenfalls zum 1. März 1974 wurde durch Zusammenlegung der bis dahin kreisfreien Stadt Hildesheim und dem Großteil des Landkreises Hildesheim-Marienburg – davon ausgenommen einige Gemeinden, die dem Landkreis Hannover zu geschlagen wurden – ein neuer Landkreis Hildesheim gebildet.
Am 1. August 1977 wurde dann der Landkreis Alfeld aufgelöst und mit dem Landkreis Hildesheim zusammengelegt. Einige Gemeinden kamen allerdings zunächst zum Landkreis Holzminden, am 1. Juli 1981 wurden diese Gemeinden dann umgegliedert und kamen so auch zum Landkreis Hildesheim.
Ebenfalls im Rahmen der Gebietsreform wurden auch die Regierungsbezirke neu strukturiert, so wurde am 1. Februar 1978 auch der Regierungsbezirk Hildesheim aufgelöst und auf die Regierungsbezirke Hannover und Braunschweig aufgeteilt, wobei der Landkreis Hildesheim zusammen mit dem Landkreis Holzminden in den Regierungsbezirk Hannover kam. Damit hatte Hildesheim nicht nur die Kreisfreiheit, sondern auch den Regierungssitz verloren. Mit Ablauf des Jahres 2004 wurden dann allerdings auch alle restlichen Bezirksregierungen in Niedersachsen aufgelöst.
Adrian Magnus Graën
Literatur
Gebauer, Johannes H.: Geschichte der Stadt Hildesheim. Band 2, Hildesheim und Leipzig 1924.
Reyer, Herbert: Kleine Geschichte der Stadt Hildesheim. Hildesheim 1999.
Häger, Hartmut: „Die Todesstunde der Freiheit unserer Stadt“. Das „Weber-Gutachten“ und seine Folgen für die Region. In: Aus der Heimat 2014, S. 27-32.