Von 1618 bis 1648 tobte in Europa der Dreißigjährige Krieg, der ganz Mitteleuropa verwüstete und Millionen Menschen das Leben kostete. Als Auslöser gilt der sogenannte Prager Fenstersturz 1618, als Vertreter der protestantischen Stände sich gegen die Statthalter des neuen böhmischen Königs auflehnten und sie kurzerhand aus dem Fenster der Prager Burg hinauswarfen. Aus diesem Religionskrieg, bei dem sich die katholische Liga mit dem Kaiser und die Fürsten der protestantischen Union gegenüberstanden, entwickelte sich schließlich ein unübersichtlicher Territorialkrieg um die Vorherrschaft in Europa, der erst mit dem Westfälischen Frieden 1648 beendet war.
Die Ereignisse zu Beginn des Krieges wurden in Hildesheim zwar wahrgenommen, doch hatten sie zunächst noch keine Auswirkungen. Erst ab den 1620er Jahren wurde die Situation bedrohlicher, obwohl Hildesheim noch versuchte, sich aus den Auseinandersetzungen herauszuhalten. Als Stadt mit einem katholischen Bischofsitz, aber vielen evangelischen Einwohnern und unterstützt durch die welfischen Herzöge geriet Hildesheim mehrfach zwischen die Fronten. Kriegssteuern, Besatzung, Einquartierungen und Unterhalt von Truppen unterschiedlicher Kriegsparteien kosteten die Stadt Unsummen. Im Sommer 1632 griff schließlich der kaiserliche General von Pappenheim die Stadt an. Er konnte zwar zunächst zurückgedrängt werden, kehrte jedoch im Herbst 1632 zurück. Da die erbetene Unterstützung durch lüneburgische Truppen ausblieb, ergab sich Hildesheim nach kurzer Gegenwehr und Pappenheim rückte am 10. Oktober 1632 in die Stadt ein. Hildesheim wurde geplündert und mit massiven Kriegslasten belegt: neben einer Geldbuße von 150 000 Talern musste eine wöchentliche Kriegssteuer von 22 000 Talern aufgebracht werden. Der Rat war dadurch gezwungen, seinen Bürgern Abgaben in zehnfacher, schließlich in 15facher Höhe abzuverlangen. Dies traf jedoch nur die protestantischen Bürger, die Katholiken wurden bewusst verschont. Viele Menschen verließen die daraufhin die Stadt, Hildesheim verarmte und versank für lange Zeit in die Bedeutungslosigkeit.
Zum ersten Mal in der europäischen Geschichte wurden kriegerische Auseinandersetzungen mit den neuen Möglichkeiten der Massenkommunikation – Flugblatt und Flugschrift – begleitet. Der Buchdruck ermöglichte es, Informationen in relativ kurzer Zeit und mit großer Reichweite zu verbreiten. Die verschiedenen Kriegsparteien nutzten gedruckte Texte dabei nicht nur, um von den Geschehnissen zu berichten, sondern auch zur Verteidigung ihrer Standpunkte und Verbreitung ihrer Forderungen.
Astrid Busch
Literatur